Veronika beschließt zu sterben : Roman

Coelho, Paulo, 2000
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Medienart Buch
ISBN 978-3-257-06235-9
Verfasser Coelho, Paulo Wikipedia
Systematik DR - Romane
Verlag Diogenes
Ort Zürich
Jahr 2000
Umfang 223 S.
Altersbeschränkung keine
Sprache deutsch
Verfasserangabe Paulo Coelho
Annotation Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html);
Autor: Christiana Ulz;
Angesichts des Todes kämpft Veronika in einer psychiatrischen Klinik um das Leben und die Liebe. (DR)

Mit ihren 24 Jahren sieht Veronika, die in Ljuljana wohnt, ihr weiteres Leben nur noch als Weg bergab in ein trostloses unveränderliches Alter vor sich und schluckt drei Packungen Schlaftabletten. Sie erwacht in einer psychiatrischen Klinik. Dort trifft sie auf einen ehrgeizigen Primar, genial-normale Mitbewohner/innen, Hobby-Philosophen, -psychologen und -esoteriker und nicht zuletzt auf den sozialutopischen Träumer Eduard. Angesichts des Todes - eine unheilbare Herzschädigung sollte sie nach Angaben des behandelnden Arztes nur noch einige Tage leben lassen - entdeckt Veronika, wie schön das Leben sein kann, kämpft darum, riskiert und gewinnt.
In einem stellenweise verwirrenden Zusammenspiel von verschiedenen Lebensschicksalen, häufigem Perspektivenwechsel, dem Einbau von synkretistisch-esoterischen Gedankenspielen, psychologischen Gemeinplätzen, verallgemeinernden Klischees, von gefühlsbetonten, detaillierten Schilderungen oberflächlicher Alltagsszenen in der Klinik und von Rückgriffen auf die aktuelle politische Situation in Slowenien und Kroatien steuert die Handlung auf ein romantisch verbrämtes Happyend zu. Das emotionsgeladene Plädoyer für die Prise Verrücktheit, die für das Lebensglück notwendig scheint, ist für eine breit gefächerte Leser/innenschicht einsetzbar.

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Quelle: SCHRIFT/zeichen;
Von Prominenten als unverzichtbare Lektüre gelobt, in Radio, Fernsehen und Printmedien vorgestellt, besprochen und gepriesen: Der Autor Paulo Coelho darf schreiben, was er will - es wird zum Bestseller. Coelhos Rezept: Hilfe zur Selbsthilfe, und das möglichst einfach, sprachlich ebenso wie inhaltlich.
In seinem Roman "Veronika beschließt zu sterben" beweist er wieder einmal seine "Kunst" leicht und seicht zu sein, trotz der "schweren" Themen. Aus dem Ausgangspunkt könnte sich einiges machen lassen: eine Selbstmörderin namens Veronika wird gerettet und erfährt, dass sie in kurzer Zeit an einem Herzschaden sterben wird. In der psychiatrischen Anstalt, in die sie eingewiesen wurde, hat sie - wie sie glaubt - die letzten Tage zu verbringen.
Die Auseinandersetzung, die zwangsmäßig beginnt, mit der Frage, wer verrückt ist und wer normal, mit der Frage, was Leben eigentlich bedeutet ("Ich kann leben, aber nutze ich diese Chance überhaupt?") u.v.m. - all das zu entfalten hätte intensiv, spannend und bedeutsam werden können. Vor allem, wo doch Coelho selbst, wie er nicht müde wird, in Interviews zu erzählen, einige Erfahrung mit psychiatrischen Anstalten mitbringt.
Coelho aber bietet banale Lebenshilfe. Sich der eigenen Verrücktheit und der negativen Energien bewusst zu werden und erstere anzunehmen und zweitere zu besiegen, bringt Veronika wieder zum Leben. Vor allem aber, dass sie sich hingab, "wie sie sich nie zuvor hingegeben hatte." Ihrer Rückkehr ins Leben hilft zuletzt auch die Enthüllung, dass ein Experiment mit ihr gemacht wurde: ihre Herzkrankheit war eine Finte, die sie zurück ins Leben bringen sollte.
An der Nase herumgeführt wird nicht nur Veronika, sondern auch der Leser, der sich Tiefsinn erwartet hat. Wer das Buch aber mit dem Wunsch nach esoterischen Empfehlungen zur Selbsthilfe zur Hand nimmt, wird sich vermutlich freuen.
Brigitte Schwens-Harrant
*Sz*
November 2000